Wenigstens etwas. Ein Anfang.

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Wenigstens etwas. Ein Anfang.
Bild von freepik

7 Wochen und zwei Tage. 51 Tage. 1224 Stunden. Oder 13,93% dieses Jahrs benötigten es, bis ich - Lara (23), Ideengeberin des Blogs, allerdings hauptberufliche Auf-die-lange-Bank-Schieberin - meinen ersten Artikel auf unserem gemeinsamen Blog veröffentliche.
Ja, ich weiß.

Gemeinsam?
Zumindest eigentlich gemeinsam. Es gab sogar schon zwei Redaktionssitzungen, zwar zu unmenschlicher Stunde, mit Zigarette und einem zweiten Oettinger Export, aber es gab sie, versprochen.
Denn eigentlich, ur-eigentlich, sollte dies hier das Projekt von Flori und mir werden. Ein Blog, der Platz für unsere politischen Aufreger der Woche bietet, der uns zugleich herausfordert, uns mit unseren Meinungen der - egal wie kleinen - Öffentlichkeit zu exponieren. Uns kritisierbar zu machen. Uns gegenseitig in Frage zu stellen. Etwas zu veröffentlichen, damit private Diskussionen sichtbar werden.

Ich schlug ihm die Idee eines gemeinsamen Blogs auf dem Heimweg vor. Sagen wir so, begeistert war er nicht sonderlich. Im Gegenteil, er war der Überzeugung heute, jetzt und hier einen Blog zu kreieren, das sei doch dümmlich. Jetzt einen Blog zu eröffnen sei doch mindestens genauso dämlich, wie den x-ten Podcast aufzusetzen. Alles gibt es schon, nichts neues, nichts innovatives, warum also machen?

Just in der Stunde darauf setzte ich über Wordpress einen Blog mit der Domain floriistduemmlich.wordpress.com auf. Dort verfasste ich folgende Zeilen für ihn:

Hier klicken: Flori ist dümmlich.

Ich habe einen Freund.

Diesen schätze ich ungemein für seine Kreativität. 
Seine Kreativität Sachverhalte im Jetzt zu erkennen, ihre Vergangenheit zu analysieren und sie davon losgelöst in der und für die Zukunft neu zu interpretieren und zu drehen. 

Trotz jeglichem Lamentos seinerseits und gegensätzlich des Komforts anderer - also, die von ihm sogenannten Sonntagsrevolutzern (zu welchen ich mich leider nach derzeitiger Bilanz auch zählen muss) - findet er immer wieder Probleme, die es anzugehen gilt. Sei das ein altes Fahrrad, das wieder repariert werden könnte, oder unser Wirtschaftssystem. 

Probleme erkennen, das tun Sonntagsrevolutzer auch, nur haben sie bei Weitem nicht die Ausdauer sich mit diesen Problemen auf solche tiefgründige Art und Weise auseinanderzusetzen, um anschließend tatsächlich konstruktive und kleinlichst überlegte Lösungswege aufzuzeigen. Sonntagsrevolutzer, sind eben jene, welche die Sachverhalte im Jetzt erkennen, ihre Vergangenheit kritisieren und sie auch in Zukunft noch kritisieren werden. 

Aber. 
Dieser eine Freund, er ist der einzige, den ich kenne, der mit solcher Genauigkeit weiß, wie viel von was zum Lösen eines Problems noch nötig ist. 
Eine Sonntagsrevolutzerin wie ich schafft es nicht über die Hausarbeit hinaus. Sie schafft es nicht über die Überlegung hinaus. Nicht über das kleine Fünkchen, dass es an Interesse noch benötigt hätte, hinaus. 

Alle Bewegung, alle Veränderung, alle Handlung, ob bahnbrechend oder nicht, sie alle haben eines gemein - den Beginn. 
Ich kenne wenige bis hin zu gar keine Personen in meinem Umfeld, die begonnen haben. Begonnen haben, sich über das Nötige hinaus zu begeben, über das Studieren, über das Arbeiten, über das Glücklichsein. 

Jede Überlegung braucht den Beginn, den Beginn der Manifestation seines abstrakten Seins, um anzuregen, zu begeistern, herauszufordern
und in seiner Fortentwicklung zur Bewegung, zur Handlung zu werden. 

Nicht jede Überlegung kann so etwas anregen, aber manche. Und diese gilt es zu greifen und zu entwickeln. Und mein einer Freund, von dem habe ich bereits viele dieser Art gehört. 
Und im Gegensatz zu ihm, habe ich schon mehr Menschen in diesem Bereich kennengelernt von denen man so etwas eigentlich erhoffen würde, weil sie in jenen Positionen/Institutionen arbeiten.

Dieser Freund wird in diesem Jahr 24. Genauso wie ich. 
Und er glaubt, genauso wie ich glaubte, ein anderer Studiengang könnte einen dazu befähigen einen wirklichen Beitrag zu leisten. 
Aber nein, der wirkliche Beitrag, und der tatsächliche Unterschied zwischen Sonntagsrevolutzern und Veränderern, ist derjenige des Beginnens.

Kurzum, des Nicht-Wartens.

Denn es wird nie der Tag kommen, ab dem man aufgrund eines sich objektiv ändernden Umstands beginnt Dinge zu verändern. Weil das Verändern nicht abhängig ist vom Universitätsgrad, auch nicht von Position. 
Menschen, die Dinge verändern, verändern sie, weil sie den Mut haben sich anderen Ansichten zu stellen, weil sie den Mut haben, zu zeigen wer sie sind, welche Ideen sie haben, weil sie beginnen sich der Welt zu offenbaren statt im Kämmerchen auf den richtigen Moment zu warten, dem Moment ab dem man nicht mehr "dümmlich" ist. Wir werden unser Leben lang dumm bleiben. Wissen wird nur generiert im Kollektiv und wer sein Wissen nicht teilt, der generiert nicht, sondern verwehrt sich der Produktion und der Teilhabe an (möglicher) Bewegung. 

Und Bewegung braucht Beginn. Also steh auf. Zeig dich. Beginne.

Danach sprachen wir eine ganze Woche nicht. Aus dem Nichts schickte er mir einen Link zu ANGEEUMELT.

Und hier sind wir also. Ich am Schreiben meines ersten Artikels, nachdem Flori und Nil und auch Niklas bereits über 9 Beiträge verfasst haben. Ein Artikel, der leider wesentlich weniger wissenschaftlich und politisch ausfällt als geplant, aber dennoch von großer Bedeutung für mich ist, denn er ist ein Anfang.

Warum der erste Artikel, der womöglich schwerste ist.

Seit fünf Wochen notiere ich in einem naturfarbenen Notizheft willkürlich scheinende Ideen für mögliche Artikel oder gar Kolumnen. Manche verbunden mit Europapolitik, manche Klimawandel bezogen, andere wiederum persönliche Auseinandersetzungen und Fragestellungen thematisierend. Aber welche Autorin möchte ich in diesem Blog sein? Welche Themen möchte ich bespielen? Welche Themen interessieren mich intrinsisch? Ein ausführlicheres Tagebuch sollte es jedenfalls nicht werden.

Meinen ersten Artikel habe ich auf der Busfahrt nach Italien verfasst. Das zu einem Zeitpunkt im Leben, der erkennen lässt, dass auch unwillkommener Wandel, sich unabänderlich vollzieht. Egal, wie sehr man gern an Dingen, Situationen und Menschen festhalten möchte, Zeit geht vorüber. Bedingungslos.

Auch wenn das Folgende keine politischen Zeilen, sondern eher höchstpersönliche sind, so habe ich sie dennoch hierfür geschrieben. Und nach langer Überlegung habe ich die Entscheidung getroffen, das Folgende doch zu veröffentlichen. Der nächste Artikel wird politischer, versprochen. Dies soll jedoch der Anfang sein. Ein Anfang, der schwerfällt, gleichzeitig neues einleitet und besseren Artikeln den Weg ebnet.
Also ganz nach unserem Motto - wenigstens etwas.

Freut euch auf mehr, ich tue es auch. Bis bald.

L


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